Laufend vom Wort zum Buch
Ein Besuch auf der Leipziger Buchmesse führte zum Gemeinschaftsstand der Unabhängigen Verlage, wo mir ein Büchlein auffiel: „Laufen in München“, eine Sammlung der schönsten Laufstrecken im Stadtgebiet. Meine spontane Frage an den anwesenden Verleger, ob ich an dem Titel mitschreiben könnte, wenn er eine nächste Auflage plant, hat eine ganz besonders schöne Erfahrung und zwei Bücher hervorgebracht.
Zusammen mit meinem Mann Stefan Pohl, der die Streckenpläne selbst zeichnete, brachten wir jeweils zwei Auflagen „Laufen in München“ und „Laufen in Stuttgart“ in die Buchläden. Nach fast acht Jahren als Taxifahrerin während meines Studiums in München, kannte und kenne ich nahezu jede Ecke und jedes Weglein unserer Heimatstadt. So schrieb ich die Beschreibungen der Laufstrecken für München Stadt und Umland nahezu aus dem Gedächtnis. Die Fotos selbst zu machen, war ein besonderes Vergnügen, da so das besondere Ambiente jeder Laufstrecke zur Geltung kam.
In Stuttgart hat uns die Arbeit an dem Büchlein mit der Stadt und der Region auf eine Art und Weise vertraut gemacht, wie wir es als Neu-Stuttgarter sonst kaum so schnell erreicht hätten. Bei jedem Wetter wurde die Stadt und die Hügel drumherum, die Weinberge und die Wälder erlaufen, um so den bestmöglichen Eindruck zu bekommen. Unser neuer Verlag in Stuttgart, der auf regionale Themen spezialisiert ist, hat dem Titel durch ein liebevoll gestaltetes Layout den letzten Pfiff gegeben.
Das Verdienst des Stuttgarter Lauf-Vereins war es, alle Leistungsklassen zusammen dazu zu motivieren, immer wieder bei den Volksläufen in der Region aufzutreten. So zogen wir hochmotiviert in großer Gruppe mit schöner Regelmäßigkeit im Rahmen der Volkslauf-Mannschaftsmeisterschaft durchs Ländle. Besondere Erlebnisse waren zusätzlich die Deutschen Meisterschaften über 10 km auf der Straße, die der DLV gerne in Bad Liebenzell ausrichtet, weil die Strecke ideal für schnelle Zeiten ist. Mit dem so erreichten Ergebnis war ich auch immer zufrieden. Regelmäßig ging es auf der Heimfahrt von einem Bewerb im Gespräch mit den Mitstreitern über die Besonderheiten des Laufs und das eigene Empfinden. Tatsächlich erinnere ich mich an kein einziges Mal, dass ich einem Lauf nicht etwas Positives abgewinnen konnte.
Garniert wurden diese Erlebnisse durch Urlaubsaufenthalte im Süden von Frankreich. Dort kam ich erstmals mit Cross-Läufen in Kontakt – und die Lehre beim ersten Start war: Wo ‚Course Nature‘ draufsteht, ist genau das drin! Mit der Zeit habe ich diese Art des Off-Season-Trainings sehr zu schätzen gelernt und die Urlaubsorte wurden nach den verfügbaren Läufen ausgesucht: querfeldein, rauf auf den Aussichtsturm, durch den Strand oder über die steile Geröllpiste runter. So konnte die Form für das Alltagstraining schon zu Beginn des Jahres aufgebaut werden.
Schlaues Training macht Sieger
Während dieser lauf-intensiven Zeit, kam die individualisierte Trainingsgestaltung hinzu. Ich lernte am Beispiel der Laufbetreuer des Vereins, Trainingspläne zu lesen und auch zu schreiben. Das Studium von Zeitschriften und Büchern half mir zu erkennen, wie wichtig die angemessene Verteilung der Belastung für das geplante Ziel ist. In meinen 40ern bin ich zuweilen recht hohe Wochenumfänge gelaufen. Dazu gehörten lange Läufe, aber auch mittlere und kurze schnelle Läufe auf der Straße oder auf der Bahn, um das nötige Stehvermögen für die Wettbewerbe zu bekommen.
Mit viel Engagement habe ich mich an diversen Marathonvorbereitungskursen in Stuttgart beteiligt und dabei an der Organisation der Gruppen und deren saisonalen Trainingsaufbau. In den Wintermonaten, wenn mancher etwas träge wurde, habe ich mich um die Vermittlung der Vorteile von Krafttraining und Koordinationsgymnastik bemüht, in dem ich Trainer für Workshops eingeladen und Fach-Vorträge auch zu medizinischen Themen initiiert habe.
Ganz klar, dass eine verletzungsfreie Saison und gute Ergebnisse neben einem schlauen Training auch mit Ernährung zu tun haben. Vegetarier wurde ich schon während des Studiums in den 80ern, und zwar schlicht deshalb, weil mir mein Körper durch Schlappheit und Müdigkeit mitten am Tag signalisierte, dass ich ihm mit Fleisch keine Energie zuführe, sondern abziehe. Das habe ich bis heute so beibehalten und habe mich gerade in Zeiten intensiven Trainings immer voll belastbar gefühlt.
Ein fester Trainingstag pro Woche brachte ein bisschen Struktur und Routine in meine Lauferei. Mit Abstrichen, wohl gemerkt, denn Lauf-ABC kannte ich nicht und Athletik-Gymnastik erst recht nicht; ich fand beides lässlich und kam deshalb ein bisschen später zum Trainingstreffpunkt. Meine Läufe durch den Schlosspark behielt ich bei, denn das war Erholung pur.
Bis auf das eine Mal, als sich mir in der abendlichen Dämmerung an der weitesten Stelle des Trampelpfads entlang der Mauer eine fette Wurzel in den Weg stellte. Ungebremst, weil ich die Füße nicht hoch genug genommen hatte, segelte ich der Länge nach über sie hinweg, und landete fluchend auf dem Bauch. Auch das war neu für mich: aufgeschürftes Knie wie ein Kind, Hand gestaucht. Zuhause gab es weder Pflaster noch Jod; also ab zum Arzt und mal alles durchchecken lassen. Mit Blick auf mein Geburtsjahr meinte er, ob das mein Ernst sei, mit dem Joggen, in meinem Alter! Ich war 33 und habe direkt den Arzt gewechselt.
Das planlose Joggen ging weiter, wenn auch garniert mit Wettbewerben, zu denen mich die MRRCler wider besseres Wissen mitnahmen. Denn die Vereinsschnecke, das war ich. Ich bin heute noch dankbar, dass ihnen das völlig schnuppe war, denn der Appetit kam auch hier beim Essen.
Mit dem Umzug nach Stuttgart kam das Angebot des örtlichen Laufvereins, an einem 10-monatigen Vorbereitungskurs auf den Berlin-Marathon teilzunehmen ins Blickfeld. Als Neulinge in der Stadt und inzwischen auch reichlich untrainiert, war das die Top-Gelegenheit, sportlich wieder einzusteigen.
Jetzt kommt der Werbeblock für den TFF Feuerbach! Denn in diesen 10 Monaten fiel endlich der Klicker. Die hoch-motivierten und erfahrenen Laufbetreuer führten mich an ein systematisches Training heran und vermittelten mir so das Laufen in ganz neuen Facetten. Dies verband sich mit der neuen Freude am angeleiteten Gruppen-Training und der so gewonnenen Ausgeglichenheit, die natürlich auch den beruflichen Herausforderungen zugutekam.
Mit den Monaten wurden die Umfänge länger, auch in den Trainingseinheiten unter der Woche. Das war für mich erst kaum vorstellbar. Als ich während eines Donnerstagsabend-Training merkte, dass ich nicht wie erwartet nach 1 Stunde am Auto sein würde, fing ich an zu schimpfen und mich zu beschweren. Ich war total überzeugt, dass ich nach einem sooo langen Training anderntags nicht gehfähig sein würde. Dass sowohl die Trainer wie auch die anderen LäuferInnen das nicht zum ersten Mal machten und auch noch dabei waren, tja – Schnaufen hilft beim Denken!
So kam es natürlich nicht – im Gegenteil! Das Training zeigte Wirkung und so stellten sich die ersten Erfolge ein. Kein Kunststück, denn als Anfänger geht’s mit allem erstmal bergauf! Aber was für ein Motivationschub, wenn man auch in einem größeren Starterfeld zumindest in der Altersklasse vorne mithalten kann.
Den Preis für meinen ersten 2. Platz in der Altersklasse bei einem Halbmarathon ließ ich mir nachschicken. Ich war nach dem Zieleinlauf direkt nach Hause gegangen, denn dass Ergebnislisten ausgehängt werden, kannte ich noch gar nicht. Und zudem war ich absolut überzeugt, dass es die wohl einmalige Gelegenheit sein würde, dass ich einen Preis bekomme.
Obwohl sich diese Situation in den folgenden Jahren doch mehrmals wiederholt hat, war der Hauptantrieb für mein Training und das dazugehörige Durchhaltevermögen ein anderer. Ich nenne es die „Energie-Frage“! Dabei ging es mir um den Austausch zwischen der Energie, die ich in mein Training stecke, und der Energie, die ich aus dem Training für meine Leistungsfähigkeit im Alltag gewinnen konnte.
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[et_pb_column type=“4_4″][et_pb_text admin_label=“Text“]In den 70er Jahren, während der ersten Fitness-Welle, erlebte ich noch als Zaungast wie mein Vater seine ersten Jogging-Runden drehte. Für mich dauerte es nochmal weitere 15 Jahre bis ich verstand, was wirklich dahintersteckt. Grund für meinen Start in die Lauferei, kurz bevor ich 30 wurde, war, dass mir die langen Bürotage den Kopf zumüllten.
Ausdauernd war ich schon immer – könnte man sagen, wenn man stundenlange Disco-Abende auch zum Ausdauersport rechnet. Während des Studiums in München und der ersten Berufsjahre kam Squash dazu, eine der wenigen Sportarten, bei denen man auch nach 20 Uhr noch den Kopf frei bekommen konnte.
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Auszug aus „Running forever„, Arete-Verlag, April 2021
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Zum Glück habe ich den Zeitungsartikel aufgehoben, in dem auf einem Schwarz-Weiß-Foto meine Beine ohne Laufschuhe nach einem Volkslauf in Ismaning zu sehen sind. Ich hätte sonst keine Erinnerung daran, wann mein erster Volkslauf war. Wer wissen will, wann das war, schaut mal nach wieviele Jahre es schon die Ismaninger Laufserie gibt. Ich war beim ersten dabei, damals noch ein Sommerlauf!
Während ich immer weiter meine Runden durch den Schlosspark drehte, las ich an einem Dienstag auf Plakaten in der Stadt, dass es am kommenden Sonntag einen Halbmarathon gibt. Die Anmeldung war schnell gemacht, und schon konnte das Training starten – ganz gezielt mit einem Drei-Rundenlauf im Nymphenburger Schlosspark am Donnerstag davor. Bis dahin war ich noch nie mehr als zwei Runden gelaufen, eine Runde sind etwa 6 Kilometer. Dass ich überhaupt ins Ziel in der Sendlinger Straße kam, war reiner Dusel.
Beim nächsten München-Marathon 3 Monate später stellte ich mich an die Strecke und ließ mich von Läufern des MRRC zur Mitgliedschaft überreden. Die Würfel kamen ins Rollen!
Auszug aus „Running forever„, Arete-Verlag, April 2021
Warum es mich plötzlich an die frische Luft zog, weiß ich gar nicht mehr.
Jedenfalls hatte ich eines Abends meine alten Basketballschuhe an und versuchte, eine Runde im Olympiapark in München zu drehen.Damals wie heute schaut zum Glück keiner richtig zu, solange man sich noch aufrecht vorwärts bewegt…
Mit Laufen hatten diese Bewegungsversuche allerdings noch nichts zu tun. Es war eher ein Außer-Puste-Kommen ohne Lauf-Anmutung, dafür mit reichlich brennender Lunge. Mit Muskelkater und harten Waden ging es noch wochenlang so weiter.
Die ersten richtigen Laufschuhe wurden dann in den Nymphenburger Schlosspark zum Spazier-Joggen ausgeführt, wo entlang der Schlossmauer die Bäume und Sträucher meine Quälerei gnädig beschatteten.
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Auszug aus „Running forever„, Arete-Verlag, April 2021
Tools & Spielzeug – die Qual der Wahl
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Priorisierung – First things first
- Kriterien festlegen – Bild oder Text, still oder laut, bewegt oder statisch, bunt oder schwarz-weiß
- Definition make or buy – wer kann das heute, morgen und übermorgen besonders gut und zuverlässig?
- Demos, Demos, Demos – man erkennt nur was man kennt!
- Angebote bewerten – Fach-chinesisch aufgelöst – niemand lässt sich gerne den Bären aufbinden!
- And the Winner is… – aus Partnern werden Freunde, Hand in Hand
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