Straße, Wald, Cross

Das Verdienst des Stuttgarter Lauf-Vereins war es, alle Leistungsklassen zusammen dazu zu motivieren, immer wieder bei den Volksläufen in der Region aufzutreten. So zogen wir hochmotiviert in großer Gruppe mit schöner Regelmäßigkeit im Rahmen der Volkslauf-Mannschaftsmeisterschaft durchs Ländle. Besondere Erlebnisse waren zusätzlich die Deutschen Meisterschaften über 10 km auf der Straße, die der DLV gerne in Bad Liebenzell ausrichtet, weil die Strecke ideal für schnelle Zeiten ist. Mit dem so erreichten Ergebnis war ich auch immer zufrieden. Regelmäßig ging es auf der Heimfahrt von einem Bewerb im Gespräch mit den Mitstreitern über die Besonderheiten des Laufs und das eigene Empfinden. Tatsächlich erinnere ich mich an kein einziges Mal, dass ich einem Lauf nicht etwas Positives abgewinnen konnte.

Garniert wurden diese Erlebnisse durch Urlaubsaufenthalte im Süden von Frankreich. Dort kam ich erstmals mit Cross-Läufen in Kontakt – und die Lehre beim ersten Start war: Wo ‚Course Nature‘ draufsteht, ist genau das drin! Mit der Zeit habe ich diese Art des Off-Season-Trainings sehr zu schätzen gelernt und die Urlaubsorte wurden nach den verfügbaren Läufen ausgesucht: querfeldein, rauf auf den Aussichtsturm, durch den Strand oder über die steile Geröllpiste runter. So konnte die Form für das Alltagstraining schon zu Beginn des Jahres aufgebaut werden.

… los …

Zum Glück habe ich den Zeitungsartikel aufgehoben, in dem auf einem Schwarz-Weiß-Foto meine Beine ohne Laufschuhe nach einem Volkslauf in Ismaning zu sehen sind. Ich hätte sonst keine Erinnerung daran, wann mein erster Volkslauf war. Wer wissen will, wann das war, schaut mal nach wieviele Jahre es schon die Ismaninger Laufserie gibt. Ich war beim ersten dabei, damals noch ein Sommerlauf!

Während ich immer weiter meine Runden durch den Schlosspark drehte, las ich an einem Dienstag auf Plakaten in der Stadt, dass es am kommenden Sonntag einen Halbmarathon gibt. Die Anmeldung war schnell gemacht, und schon konnte das Training starten – ganz gezielt mit einem Drei-Rundenlauf im Nymphenburger Schlosspark am Donnerstag davor. Bis dahin war ich noch nie mehr als zwei Runden gelaufen, eine Runde sind etwa 6 Kilometer. Dass ich überhaupt ins Ziel in der Sendlinger Straße kam, war reiner Dusel.

Beim nächsten München-Marathon 3 Monate später stellte ich mich an die Strecke und ließ mich von Läufern des MRRC zur Mitgliedschaft überreden. Die Würfel kamen ins Rollen!

Auszug aus „Running forever„, Arete-Verlag, April 2021